#gesehenwerden: Haustür-Fotografie und Webcam-Shootings in Zeiten der Krise
FotografInnen machen aus der Not eine Tugend: Statt im Studio zu stehen, lichten sie Selbständige in der Krise ab – vor der Haustüre, dem Shop oder via Webcam.









Carmen Trappenberg ist im vierten Jahr selbständige Fotografin in der Wiener Josefstadt – angesiedelt im Bereich Hochzeiten, Taufen, Familien- und Businessfotografie. Und das sehr erfolgreich – bis die Corona-Krise ihr einen Strich durch die Rechnung machte und die Umsätze in den Keller rasselten. Nach ein paar Wochen des (fotografischen) Nichtstuns im Lockdown wollte sie mehr als nur die eigene Familie und die Natur fotografieren und ließ sich von Vorbildern im In- und Ausland zu den Haustürportraits inspirieren.
Als dann die kleinen Geschäfte wieder aufsperren durften und ich in den sozialen Medien viele Diskussionen darüber verfolgt habe, wie schlecht es den Inhabern oft geht, kam mir der Gedanke, jene, die nun in ihren Geschäften sitzen und verzweifelt auf Kundschaft warten, auch vor die Kamera zu holen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, gesehen zu werden. In meinen Insta-Stories verwende ich dafür #gesehenwerden, erzählt sie. Die Nachfrage ist enorm. Für mich ist das Schöne an dem Projekt, dass ich bei einem Spaziergang kurze Gespräche führen kann, die mir neue Sichtweisen eröffnen und mit Menschen ins Plaudern komme, deren Auslagen ich bislang nur im Vorbeigehen bewundert habe. Ich bekomme auch schon Anfragen aus anderen Bezirken, die mittlerweise auch von Kollegen und Kolleginnen bedient werden, sogar auch aus Niederösterreich.
Grätzel-Fotografie als Eigenwerbung
Eine davon ist Petra Schmidt (www.diefotografin.at), die in Wien-Hietzing derzeit mit Fahrrad und Kamera ihre Runden zieht und statt wie üblich Food, Gastro und Werbung zu shooten, Menschen ganz privat ablichtet. Ob Gärtner, Landschaftsgestalter, Hobbyimker oder Journalisten (auch die Autorin selbst setzte sie vor ihrer Haustür in Szene) – alle freuen sich über ein Bild, auf dem die Krise vergessen scheint. Das ist eine nette Werbung für viele Selbständige und Kleinunternehmen, aber natürlich auch für mich, freut sich Schmidt. Kreativität findet immer ihren Weg – und sei er noch so steinig. Es wird wieder Zeiten geben, in denen es gute Budgets für Fotografen und Fotografinnen gibt – bis dahin er-radle ich mir eben neue Möglichkeiten.
Neue Wege mittels Webcam
Herausfordernde Zeiten verlangen eben nach kühnen Ideen.
Ende März 2020 hat die renommierte Fotografin Pamela Rußmann begonnen, Porträtfotos über Skype anzubieten. Wie vielen andere Selbständigen in der Kreativwirtschaft wurde ihr von einem Tag auf den anderen die Existenzgrundlage entzogen: Fotoshootings in Studios sind nicht möglich, folglich wurden alle Aufträge bis auf weiteres storniert. Die Shootings über Webcam laufen naturgemäß nicht so ab, wie bei einer Begegnung im echten, analogen Leben. Sie sind ein Experiment, eine Erweiterung, ein Spiel mit den neuen elektronischen Medien und eine Reaktion auf die für uns alle herausfordernde Lage der Isolation in den eigenen vier Wänden, erzählt sie. Aber es gibt einen wichtigen Punkt, in dem sich das Webcam-Shooting von einem im echten Leben nicht unterscheidet: Es geht immer um die Verbindung zwischen Fotografin und Model. Um das Zusammenspiel von den beiden. Um Freude und Festhalten des Augenblicks.
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Eine ganz besondere Frau traute sich auch schon vor die Webcam: Katharina Häckel-Schinkinger ist Mitbegründerin von Habibi & Hawara und derzeit Pressereferentin im Kabinett Rudi Anschober beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz.
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